Spiele auch ernste Themen wie mentale Probleme angehen

Videospiele genießen nicht den besten Ruf: Gerade sogenannte „Ballerspiele“ stehen häufig in der Kritik, da sie die Aggressivität steigern und ein hohes Suchtpotenzial haben sollen. Doch auch harmlose Spiele wie Tetris oder Super Mario kommen nicht bei jedem gut an — gerade Eltern sorgen sich um ihre Kinder und wollen, dass sie so wenig Zeit wie möglich mit Videospielen verbringen und sich stattdessen anderweitig beschäftigen. Vielleicht völlig zu unrecht. Denn mehr und mehr Forscher gehen davon aus, dass Videospiele Kindern, Jugendlichen und auch älteren Menschen dabei helfen können, psychische Krankheiten zu bewältigen.

Dazu sollen Klassiker wie Tetris, beliebte Shooter wie Unreal Tournament, aber auch Videospiele wie Nevermind oder Elude zählen, die explizit als therapeutische Maßnahmen entwickelt wurden.

Biofeedback hilft Patienten dabei, ihre Gefühle zu kontrollieren

Nicht immer schlagen herkömmliche Psychotherapien bei Depressionen oder vergleichbaren Erkrankungen an, nicht immer wollen sich Jugendliche überhaupt erst auf eine Therapie einlassen. Während sie sich nur schwer anderen Menschen anvertrauen können, verarbeiten sie ihre Gefühle hingegen gerne mithilfe von Videospielen. „Videospiele können eine gute Anfangserfahrung mit therapeutischen Methoden sein“, erklärt Christiane Eichenberg, Professorin für Psychosomatik an der Sigmund-Freud-Privatuniversität in Wien, der „Süddeutschen Zeitung“. Bei Nevermind, das von dem Entwickler Erin Reyonolds als Therapiespiel konzipiert wurde, soll der Spieler in die Rolle eines traumatisierten Patienten schlüpfen, um in einer surrealen Traumwelt dessen Vergangenheit zu verarbeiten — und sich selbst einem Heilungsprozess zu unterziehen. 

Spiele sollten therapiebegleitend eingesetzt werden und diese nicht ersetzen

Spiele ohne konkrete Heilabsicht, wie etwa Tetris, können Patienten ebenfalls dabei helfen, Geschehnisse zu verarbeiten oder Fähigkeiten zu verbessern. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Videospiele nicht nur einen positiven Effekt auf das Gehirn, sondern auch auf das Verhalten gegenüber anderen haben können. 

„Verglichen mit Kindern, die nicht spielen, zeigen jene, die etwa ein Drittel ihrer freien Zeit mit Videospielen verbringen, mehr prosoziales Verhalten und Lebenszufriedenheit sowie weniger Verhaltensstörungen und Probleme im Umgang mit anderen und emotionale Unsicherheit“, sagte Andrew K. Przybylski von der Oxford-Universität.

Nicht immer empfiehlt es sich, Spiele wie Nevermind allein und ohne Anweisung zu spielen. Reynolds warnt, dass ein Spiel dieser Art manche Menschen überfordern könnte — und somit bestehende Probleme verschlimmert werden würden.

Gerade jüngere Spieler sollten solche Spiele auch nicht als alleinige Therapie spielen, sondern als Begleitung zur stationären Therapie. Das liege unter anderem daran, dass jüngere Spieler oft dazu neigen würden, sich durch Spiele durchzuklicken, ohne alles zu lesen. Zudem sei es besser, wenn die Kinder nicht wüssten, dass es sich um eine therapiebegleitende Maßnahme handle — ohne diesen Hinweis würden die Spieler weitaus besser bei den Kindern ankommen, somit seien auch die daraus resultierenden Erfolge größer. Dabei sei es jedoch wichtig, dass sich die Kinder mit der Hauptfigur identifizieren könnten. 

Weitere Studien notwendig, um den therapeutischen Erfolg zu bestätigen

Bisher gibt es jedoch nur wenige Studien über die positiven Auswirkungen von Videospielen auf psychisch kranke Menschen. „Evaluationen sind teuer, daher verzichten Entwickler oft darauf“, so Eichenberg. Die Chancen stehen gut, dass sich daran bald aber etwas ändern könnte. Eine Umfrage soll ergeben haben, dass sich bereits 90 Prozent der Psychotherapeuten vorstellen könnten, Videospiele als Therapiemethode einzusetzen. Auch an der Begeisterungsfähigkeit von Patienten für Videospiele dürfte dieser neue Therapieansatz nicht scheitern — nahezu ein Drittel der Weltbevölkerung soll regelmäßig Videospiele spielen.

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